Wie alles begann - ein historischer Überblick über die Entwicklung der Kunsttherapie

Lange bevor es die Disziplin „Kunsttherapie“ gab, haben sich bildende Künstler bereits intensiv mit ihren inneren Bildern und ihrem Bezug zur Wirklichkeit auseinandergesetzt. Anfang des vorigen Jahrhunderts erweiterten Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus den Kunstbegriff, indem Assoziatives, Unbewusstes oder Alltägliches Eingang in deren Werke fand. 

 

Die neuen bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten, die sich damit für die Bildende Kunst erschlossen, öffneten auch den Blick für die therapeutischen Potenziale bildnerischen Gestaltens. Mit der Begründung der Psychoanalyse und der Entdeckung des Unbewussten gab Freud die Voraussetzung für eine mögliche Interpretation von seelischen Inhalten in Bildern und Träumen. Ebenso hat C.G. Jung in seinem Verständnis der analytischen Behandlung Theorien über die therapeutische Arbeit mit Bildern entwickelt.

 

Auf der Suche der Kunst nach authentischen Inhalten entdeckte die Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben der so genannten „primitiven Kunst“ und der Kinderzeichnung auch die „Kunst der Geisteskranken“. Unter Psychiatern (Prinzhorn, Navratil und Morgenthaler) entwickelten sich Sammlungen bildnerischer Werke von Patienten, zumeist in der Hoffnung auf diagnostische Verwertbarkeit. Künstler (z.B. Alfred Kubin, Paul Klee, Max Ernst oder Pablo Picasso) ließen sich von Patientenwerken faszinieren und inspirieren. 

 

In den 1960er Jahren erweiterte sich die Auffassung von Kunst um eine soziale Dimension. Künstler und Künstlerinnen gingen aus den Ateliers hinaus in die Gesellschaft und suchten sich verschiedene soziale Bezugsfelder (z.B. Joseph Beuys). 
Zusätzlich befasste sich die Kunst mit Möglichkeiten der Wahrnehmung von Linie, Farbe, Form und Raum. Optische Phänomene von Farben und Formen wurden untersucht. In der zeitgenössischen Kunst stellt die (Re-)Konstruktion von Wirklichkeit wichtige Inhalte und schließt den Arbeitsprozess in den Kunstbegriff mit ein. 

 

Diese Entwicklung ebnete den Weg für die Kunsttherapie in soziale Einrichtungen und Institutionen im Gesundheitswesen. Konzepte aus der Kunst wurden verbunden mit entwicklungspsychologischen und therapeutischen Ansätzen.

 

Kunsttherapie hat sich inzwischen zu einer eigenständigen Therapieform entwickelt, die verschiedene therapeutische Schulen integriert.