Was ist Kunsttherapie?

Kunsttherapie fördert die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt unmittelbar über die Sinne wahrzunehmen und zu begreifen. Sie setzt an einem tiefen Grundbedürfnis des Menschen an, sich gestalterisch auszudrücken und mit sich und anderen in Kontakt zu treten.

 
Auf der Basis einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung werden innere Prozesse durch Materialien und Medien der Bildenden Kunst sichtbar gemacht, Farb- und Formqualitäten mit eigenem Erleben und persönlichen Lebensmotiven verbunden. Sowohl die Gestaltungsprozesse selbst wie auch die entstandenen Werke dienen innerhalb des therapeutischen Geschehens als "Anschauungs- und Proberaum", in welchem Handlungen und Denkweisen betrachtet, weiterentwickelt und einer sinnvollen Wandlung unterzogen  werden können.


Im kunsttherapeutischen Prozess können kreative Ressourcen neu entdeckt, Selbstheilungskräfte mobilisiert sowie vielfältige Veränderungsprozesse angeregt werden.
Kunsttherapie findet bei Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen und krisenhaften Entwicklungen in allen Lebensphasen sowie in psychosozialen Zusammenhängen sinnvollen Einsatz.

Kunsttherapie ist neben Musik-, Tanz-, Theatertherapie u.a. eine Fachrichtung der "Künstlerischen Therapien", die in einigen Zusammenhängen manchmal noch als "Kreativtherapien" bezeichnet werden. Der Begriff "Gestaltungstherapie" (nicht zu verwechseln mit "Gestalt-Therapie"!) wird für einen spezifischen tiefenpsychologischen Ansatz klinischer Kunsttherapie verwendet.

Weshalb kommen Menschen in die Kunsttherapie und gibt es Klient/innen mit bestimmten Beschwerden, für die sie besonders geeignet ist?

In der Kunsttherapie wird schwerpunktmäßig nicht in erster Linie mit sprachlichen, sondern mit gestalterischen Mitteln wie Form, Farbe und Material gearbeitet.

Sie eignet sich besonders für Menschen, denen es schwer fällt, sich ausschließlich über die Sprache und mit Worten mitzuteilen. Aber auch für Patienten, die bereits sehr therapieerfahren sind und für die der alleinige Ausdruck im kognitiv-sprachlichen Bereich nicht mehr zur gewünschten Veränderung führt, kann Kunsttherapie unterstützend sein.

Die gestalterische Tätigkeit ermöglicht den Ausdruck von inneren Bildern, emotionalen Hindernissen, kraftvollen Ressourcen und ähnlichem.

Muss man malen können, wenn man Kunsttherapie verordnet bekommt bzw. diese selber als Therapieform auswählt?

Nein, man muss definitiv nicht malen können, auch wenn der Begriff „Kunsttherapie“ dies vielleicht annehmen lässt. Es geht nicht darum, „schöne“ Bilder zu malen bzw. „schöne“ Plastiken oder Skulpturen zu kreieren, sondern um einen direkten Ausdruck von Gefühlen, Konflikten etc. durch Farben und Formen, der reflektiert wird.

Mit welchen Mitteln, welchem Material und mit welchen Methoden arbeitet die Kunsttherapie?

Die Kunsttherapie nutzt die vielfältigsten Mittel und Methoden. Abhängig von den Rahmenbedingungen können folgende Mittel zum Einsatz kommen: flüssige Farben (Aquarell, Acryl, Öl), Pastell-und Ölkreiden, Bunt-und Bleistifte, verschiedenste Papiere, Leinwände, Ton zum Plastizieren, Stein und Holz für Bildhauerei und vieles mehr. Aber auch Foto- und Videokamera können verwendet werden.

Kunsttherapeutische Angebote können ganz frei von „Aufgabenstellungen“ sein, damit man sich ganz in eigene Ideen und die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten von Farbe und Form vertiefen kann. Manchmal ist es jedoch günstig eine Hilfestellung zu haben, damit die Ideen ins Fließen kommen.

Wer zahlt die Kunsttherapie?

Im Rahmen eines stationären Aufenthalts in einer Klinik (z.B. wegen einer akuten psychischen Erkrankung oder im Rahmen einer Rehabilitationsmassnahme) kann Kunsttherapie integrierter Bestandteil der stationären Behandlung sein.


Im Regelfall muss ambulant stattfindende Kunsttherapie von der Klientin bzw. dem Klienten selbst gezahlt werden.